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Rückwärtslaufen

Fortschritt durch Rückschritt

Es läuft rückwärts. Das hört sich im ersten Moment nicht nach Fortschritt an. Und doch kann man sich durch Rückschritt nach vorne bewegen. Die Perspektive ist nur eine andere. Wenn ich rückwärts laufe, sehe ich, was ich zurückgelegt habe und nicht, was noch vor mir liegt. Das kann ich nur erahnen und antizipieren. Und das muss manchmal ziemlich schnell gehen, denn ich laufe schneller rückwärts als 99% der Deutschen vorwärts laufen können. Glauben Sie nicht? Vielleicht erinnern Sie sich noch an Ihre 1000m Bestzeit in der Schule oder Sie schnüren gleich mal die Laufschuhe und laufen 2,5 Runden auf der Tartanbahn. Waren Sie schneller als 3:18,43min? Dann gratuliere ich Ihnen, denn damit gehören Sie zu den eben erwähnten 1%. Wenn Sie nun die Herausforderung gepackt hat, können Sie gerne weiter laufen und schauen, wie lange Sie für 3000m, sprich 7,5 Runden benötigen. Nach 11:11,76 min hat dort meine Uhr bei den Rückwärtslaufweltmeisterschaften in Aosta in 2014 gestoppt. Weltrekord. Einen von sechs, die ich halte.

Rückwärtslaufen fordert Körper und Geist

Warum laufe ich rückwärts, wenn der größte Teil der Menschen vorwärts läuft? Vielleicht genau aus diesem Grund. Weil ich schauen möchte, wie die Welt umgedreht ausschaut. Im Schwimmen ist die Disziplin Rückwärtsschwimmen bzw. Rückenschwimmen völlig normal und niemand schaut komisch, wenn ihm ein Schwimmer rückwärts im Beckenrand begegnet. Und auch bei Ballsportarten wie Tennis oder Beachvolleyball ist es völlig normal, dass die Spieler ein paar Meter rückwärts zurück legen, um stets den Ball im Blick zu haben und sich somit optimal positionieren zu können. Ich laufe rückwärts, um herauszufinden, zu was mein Körper und Geist fähig ist. Denn Rückwärtslaufen beansprucht nicht nur eine ganz andere Muskulatur als das Vorwärtslaufen, sondern fordert ebenso den Geist. Nicht zu wissen, was kommt, dem Unbekannten entgegenzulaufen und dennoch mit breiten Schultern, zielsicher, fokussiert und selbstbewusst seinen Weg gehen. Das ist für mich Rückwärtslaufen.

 

Trainingstipps:

Trauen Sie sich, Ihre Perspektive zu wechseln. Ich lade Sie dazu ein, Stück für Stück eine neue Welt zu entdecken. Streuen Sie in Ihr nächstes Training 1min rückwärtslaufen ein und die erste Rückmeldung wird Ihnen Ihr Körper direkt geben. Es ist ungewohnt und schön. Unser Körper möchte gefordert und gefördert werden, neue Reize empfangen, sich weiterentwickeln, beachtet und herausgefordert werden. Nun wünsche ich Ihnen viel Spaß und machen Sie den ersten Schritt. Rückwärts, versteht sich ;-)

Was wird trainiert?
Beim Rückwärtslaufen wird vor allem die Muskulatur im Rücken- und Po Bereich trainiert. Dazu wird die Koordination weiter ausgebildet. Zudem ergeben sich spürbar positive Effekte auf die Lauftechnik im Vorwärtslaufen.

Wie wird trainiert?
Rückwärtslaufen ist für die meisten eine völlig neue Trainingsform. Deshalb ist das Wichtigste: langsam zu beginnen. D.h. 2x die Woche 200m rückwärts während oder am Ende eines Dauerlaufes. Der Umfang kann dann langsam jede Woche um 100-200m gesteigert werden. Ziel sollte sein, dass man wenigstens 1km rückwärtslaufen kann, ohne Muskelkater oder ähnliches zu bekommen. Ein sicher machbares (Gesundheits-) Ziel.

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