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Doppelweltmeister mit Weltrekord.

Oder wie die italienische Presse schreibt: Thomas Dold e’ il re della settima edizione del “World retrorunning championships“ (Thomas Dold ist der König der siebten Rückwärtslauf Weltmeisterschaften)

Es ist nicht ganz leicht mit 8 Weltrekorden zu einer Weltmeisterschaft zu reisen. Denn jeder fragt oder vielmehr weist an: Du wirst doch sowieso Weltmeister, oder? Das oder bezieht sich wohl auf alles, was unverhofft passieren kann. Und das ist eine ganze Menge. Ist es aber nicht, wieder mal nicht und darüber freue ich mich riesig. Dass ich einfach nur laufen konnte, so schnell meine Beine mich getragen haben. Und das ging nachdem ich im Januar schon in Neuseeland die ersten Rückwärtskilometer gesammelt habe, richtig gut. Gut sechs Monate Vorbereitung für ein Event und dafür gab es gleich zwei WM Titel + Weltrekord.

3000m am Freitagabend

Über 7,5 Stadionrunden war auch der Deutsche Achim Aretz am Start, allerdings schon etwas gezeichnet von seinem 10.000m Rennen vormittags. Und somit war schon vor dem Start abzusehen, dass, wenn ich wirklich in Rekordform bin und schneller als 11:11,76min laufen will,  muss ich das ziemlich alleine gegen die Uhr. Zu meinem Erstaunen waren die ersten 400m dann aber alles andere als alleine und ich musste schauen, dass ich die Innenbahn behalten konnte und startete dann auch sehr schnell in 84Sek. Die folgenden Runden schaute ich weniger auf die Gegner und mehr auf die Uhr. Ich spürte, dass 3:40min/km heute nicht ganz so schnell wirken wie oft im Training. Auf den letzten beiden Runden wurden dann die Beine schwer. Bei jedem Schritt versuchte ich dennoch maximal weit nach hinten zu greifen und so Meter gut zu machen. Als ich auf die Zielgerade einbog und mir jemand zurief, noch 30 Sekunden bis zum alten Rekord, da wusste ich, das reicht. Also Fokus, dass die Beine rund laufen, ich einen sicheren Stand bei jedem Schritt habe und dann ab ins Glücksgefühl, das nach 11:00,56min auf der Wettkampfuhr aufleuchtete. Einfach nur mega: 3:40min/km ohne Pause drei Mal. Das habe ich im Training mit Pause noch nicht geschafft. Im Wettkampf kann der Körper einfach immer nochmal etwas mehr leisten.

 

5000m am Samstagmorgen

9:00 Uhr, 26 Grad. Da tut man gut daran, schnell zu laufen um früher fertig zu sein. Denn mit jeder Minute heizte die Sonne gefühlt die Luft mehr auf. Wieder ein großes Feld und diesmal ein anderer schneller Deutscher am Start. Marathon Weltrekordhalter Marcus Jürgens. Bei dem Rennen fand ich leichter meinen Platz an der Spitze des Feldes und konnte sofort einen guten Rhythmus finden. 95 Sekunden pro Runde sollte die Richtung sein und das klappte die ersten drei Runden ganz gut. Dann spürte ich, dass die Müdigkeit vom Rennen am Vortrag sich verflüchtigte und ich leichter schneller laufen konnte. Und das wollte ich nutzen, um nicht nur weiter vom zweitplatzierten Jürgens weg zu kommen, sondern auch, schneller dem Ziel entgegen. Besonders die letzten beiden KM habe ich nochmal aufs Gas gedrückt, um schneller als 19:31min zu sein. Das war der alte Weltrekord auf der Bahn, bevor ich vor 7 Wochen den Rekord auf 19:07min in Dresden verbesserte. Also nochmal auf die Zähne beißen und trotzdem ein Lächeln auf den Lippen. Denn dadurch läuft es sich leichter und schneller. Und das hat funktioniert. Nach 19:16:99min löste die Lichtschranke aus und meine Italienreise hatte einen zweiten Höhepunkt. 

Nun habe ich mein Saisonziel erst einmal erreicht. Dafür habe ich gut 6 Monate trainiert und bin nun überglücklich, dass es funktioniert hat, wenn gleich ich einen Uralt-Rekord über 400m aus 2004 verloren habe. Der Amerikaner Dan Jordan verbesserte ihn um eine Sekunde auf 68,34 Sek. Irgendwie habe ich das Gefühl, es geht ganz schön voran im Rückwärtslaufen… Da möchte ich weiterhin dabei sein, ganz vorne. 

 

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